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Bad Tölz

Bad Tölz ist die Kreisstadt des oberbayerischen Landkreises Landkreis Bad Tölz-Bad Tölz-Wolfratshausen. Der Kurort liegt an der Isar, rund 50 Kilometer südlich von München.

Geografie

Bad Tölz liegt im mittleren Isartal, am nördlichen Eingang zum Isarwinkel, von wo man einen herrlichen Blick auf die bayerischen und Nordtiroler Nördliche Kalkalpen hat. Zu Tölz gehören seit der Gebietsreform in Gemeindegebietsreform die Ortsteile Kirchbichl, Ellbach und Flinthöhe. Die Nachbargemeinden sind:

  • im Norden: Sachsenkam, Dietramszell;
  • im Osten: Greiling, Reichersbeuern, Waakirchen;
  • im Süden: Gaiߟach, Wackersberg, Lenggries;
  • im Westen: Bad Heilbrunn.

Klima

Geschichte

Die heutige Stadt Bad Tölz wird 1155 erstmals urkundlich als Tolnze (nach Hainricus de Tolnze) erwähnt und geht auf eine römische Siedlung zurück (andere Quellen erwähnen die Namen Tollenz und Tellenzen). Erneut besiedelt wird das Gebiet von Bajuwaren im 9. Jahrhundert am östlichen Isarufer (das Gries ist der älteste Stadtteil), fiel jedoch den marodierenden Ungarn zum Opfer.

(1644)
An der Stelle des heutigen (ehemaligen) Knabenschulhauses, errichtet Heinrich von Tollenz, der aus Döllnitz nahe Pressath in der Oberpfalz stammte, um 1180 die erste Tölzer Burg. Ab 1281 werden im Urbar des Herzogtums Baiern das Gries, die Burg und die Mühlen am Ried als Markt bezeichnet und etwa zum gleichen Zeitpunkt entsteht die erste Isarbrücke über den damals noch reiߟenden Fluss.

Die Wälder der Umgebung waren Grundlage für das Gewerbe der Flöߟerei. Die Zunft der Flöߟer verfügte über 24 Meister und zahlreiche Gesellen in Tölz.

Im Jahre 1331 erfolgt die Verleihung des Marktrechts durch Kaiser Ludwig IV. (HRR)Ludwig den Bayern. 1374 wird das erste Siegel des Tölzer Marktes, das Sigillum Civium In Tollentze verliehen, das heutige Stadtwappen. Durch den Salzhandel Richtung Allgäu und Bad Reichenhall, gelangt Tölz zu Wohlstand. „€žDer groߟe Brand“€œ vernichtet 1453 die Marktstraߟe, Stadtpfarrkirche, Burg und Teile des Grieses. Nach dieser Feuersbrunst wird mit groߟer Hilfe von Albrecht III. (Bayern)Herzog Albrecht III., bekannt durch seine Liebe zu Agnes Bernauer, die Marktstraߟe in Stein neu errichtet und 1460 entsteht eine neue Burg. Nach dem Brand leiten Kaspar I. Winzerer, sowie später dessen Sohn Kaspar II. Winzerer und Enkel Kaspar III. Winzerer als Pfleger, Ritter und Lehnsherr die Geschicke von Tölz und machen sich verdient und sind bei der Bevölkerung beliebt (siehe deren Hauptartikel). Noch 40 Jahre vor dem Erlass des berühmten bayerischen Reinheitsgebotes beginnt im Jahre 1476 in Tölz die Biersiederei.

Während des Dreiߟigjähriger Dreiߟigjährigen Krieges wird die Stadt 1632 von schwedischen Truppen verwüstet, die Blütezeit der für ihre Kunstschreiner bekannten Handwerker- und Flöߟerstadt (Tölzer Kästen) dadurch beendet. Nach Ende des Dreiߟigjährigen Krieges ist der Markt Tölz, vor allem durch die Pest, fast völlig entvölkert.

Mitte des 17. Jahrhunderts gibt es in Tölz bereits 22 Brauereien, mit Absatz ins Werdenfelser Land und Tirol. Hauptabnehmer wird die Stadt München (8.730 Eimer Bier im Jahr 1782). Während des Spanischer Spanischen Erbfolgekrieges, in dem die ߖsterreicher Bayern besetzen, steht Tölz im Mittelpunkt des Aufstandes der Oberländer Bauern. In der Sendlinger Mordweihnacht findet diese Erhebung 1705 ihr tragisches Ende. 1742 fallen unter Oberst Trenk Truppen der Panduren und Tollpatschen infolge des ߖsterreichischer ߖsterreichischen Erbfolgekrieges in Tölz ein, werden aber von Isarwinkler Bauern vertrieben. Ab 1750 kommt es zu einer erneuten Blütezeit der Flöߟerei und des Holzhandwerkes. Dabei gelangen Holz, Kalk und Möbel aus dem Isarwinkel auf der Isar (und Donau) bis nach München, Wien und Budapest.

Infolge eines Unwetters stürzen 1770 weite Teile des Schlosses an der oberen Marktstraߟe ein. Das Schloss war ein Ausbau der letzten Burg. Es wird jedoch nicht wieder aufgebaut, sondern deren Steine werden auf der Isar nach München transportiert und dort in der Residenz verbaut. Das Schloss befand sich an der Stelle des heutigen Schlossplatzes und des neuen Rathauses. 1861 entsteht auf dem Griesfeld das schlossartige Städtische Krankenhaus (erweitert 1889), das das damalige Krankenhaus am Krottenbach von 1822 ablöst. Es bleibt das Städtische Krankenhaus, bis es 1990 von einem groߟen, modernen Bau im Badeteil abgelöst wird (heutige Asklepios Stadtklinik).

1874 wird die Bahnstrecke Holzkirchen“€“Bahnstrecke Holzkirchen“€“Tölz als Vizinalbahn (Bayern)Vicinalbahn eröffnet. Das erste Bahnhofsgebäude, komplett aus rotem Backstein, entsteht im selben Jahr. Nach dem Weiterbau der Strecke nach Lenggries 1924 wird zeitgleich ein neuer, gröߟerer Bahnhof im Südosten der Stadt errichtet. Architekt war der Münchener Georg Buchner. Die alten Bahnanlagen wurden daraufhin aufgegeben. An ihrer Stelle befindet sich heute die Fach- und Berufsoberschule und im weiteren Verlauf die Eisenburger Straߟe.

Im Jahre 1846 entdeckt der Jaudbauer am Blomberg (Bayerische Voralpen)Blomberg am Sauersberg Deutschlands stärkste Jodquellen. Bald darauf bestätigt Dr. Sendtner diese Entdeckung. Ein Aufschwung des westlich der Isar gelegenen Ortsteils Krankenheil durch den aufkommenden Badebetrieb setzt ein. Diese Entwicklung führt zur Verleihung des Titels Bad an den Ort Tölz am 20. Juni 1899. Der Münchner Architekturprofessor Gabriel von Seidl belebt ab 1903 das Stadtbild von Tölz durch neue Bauten. Durch ihn entstehen neue Gebäude, Fassadenmalereien und groߟe Umgestaltungen, die das Bild der Stadt bis heute prägen. Ab 1. Juni 1905 nimmt die erste Kraftpostlinie Deutschlands ihren ständigen Betrieb zwischen Bad Tölz und Lenggries auf. Eine weitere positive Entwicklung erlaubt es Luitpold von Prinzregent Luitpold, am 14. Oktober 1906 dem Markt Bad Tölz das Stadtrecht zu verleihen. Im selben Jahr wurde Franz Edler von Koch Direktor der „€žKrankenheiler Jodquellen A.G.“€œ

Nach dem Bau des Walchenseekraftwerkes 1924 führt die Isar nun kaum noch genug Wasser zur Flöߟerei. Durch den Bau des Sylvensteinspeichers in den Jahren von 1954 bis 1959 wird der Fluss weiter gezähmt. 1928 wird der EC Bad Tölz gegründet, der sich später zu einem der traditions- und erfolgreichsten bayerischen Eishockeyvereine entwickelt und der Grundstein gelegt, Tölz den Ruf einer Eishockeystadt zu geben. 1934 entsteht das Natureisstadion, das 1952 zum Kunsteisstadion umgebaut wird.

in Bad Tölz im Jahr 1946
Im Deutsches Reich 1933 bis 1945Deutschen Reich nimmt 1934 die erste der SS-Junkerschulen in Bad Tölz den Lehrgangsbetrieb auf. Mitte 1940 wird in Bad Tölz ein Liste der Auߟenlager des KZ Auߟenlager des KZ Dachau errichtet. 1940/41 wird in Bad Tölz und Umgebung aus Einheimischen die 97. Jäger-Division (Wehrmacht)97. Jägerdivision Spielhahnjäger aufgestellt. Von hier aus wurde diese im Krieg gegen die Sowjetunion 1941“€“1945Russlandfeldzug, in Polen, der Ukraine und im Kaukasus eingesetzt. Bei Kriegsende 1945 wurde die Spielhahnjägerdivision in der Tschechoslowakei aufgelöst. Gegen Ende des Zweiter Zweiten Weltkrieges steht Tölz unmittelbar vor einer Bombardierung durch die Alliierten, vor allem aufgrund der im Ort ansässigen SS-Junkerschule. Doch aufgrund der dichten Wolkendecke und des starken Schneefalls müssen die alliierten Bomber drei Kilometer vor dem Ort wieder abdrehen. Dieses Ereignis, das manche Einheimische als „€žWunder von Tölz“€œ bezeichnen, führte dazu, dass der riesige Reichsadler, der ein Hakenkreuz in den Krallen hielt und an der Isarbrücke stand, nach dem Krieg eingeschmolzen und zum Dank in eine Marienstatue gegossen wurde, die heute den Brunnen in der unteren Marktstraߟe ziert.
1951. Er hatte sein Atelier an der Marktstrasse von 1949 bis 1953.

Am 27. März 1945 wird in Bad Tölz noch die 38. SS-Grenadier-Division „€žNibelungen“€œ aufgestellt, überwiegend aus Angehörigen der Junkerschule und der Hitlerjugend. Bis in die letzten Kriegstage liefert sich in Bad Tölz und Umgebung die 17. SS-Panzergrenadier-Division „€žGötz von Berlichingen“€SS-Division „€žGötz von Berlichingen“€œ Gefechte mit den anrückenden US-amerikanischen Streitkräften. Dabei werden die Isarbrücke und Teile der unteren Marktstraߟe stark beschädigt.

Nach Kriegsende wird die SS-Junkerschule von den Streitkräfte der Vereinigten US-amerikanischen Streitkräften übernommen. Der US-General George S. Patton übernimmt nach dem Krieg das Amt des Amerikanische Militärgouverneurs von Bayern und regiert vorübergehend von Bad Tölz aus. Zum Gedenken an einen gefallenen Freund tauft er die Junkerschule in Flint-Kaserne um. Bis zum Abzug 1991 war die Flint-Kaserne neben einer Ingenieursschule auch europäischer Stützpunkt der United States Army Special Forces Command (Airborne)Special Forces, vulgo Green Berets. ܜber dem Haupteingang prangte der Schriftzug „€žCleanest American Camp In Europe“€œ. Die Kaserne existiert heute nicht mehr. Es sind nur noch einige Grundzüge der Architektur erkennbar, da die Stadt ab Ende der 1990er mit einer groߟangelegten Umgestaltung begann. Dort finden sich heute unter dem Namen Flint-Center diverse ߄mter, Geschäfte und Gaststätten, das Polizeirevier und die architektonisch reizvolle „€žSchnecke“€œ (deren Baukosten vom Bund der Steuerzahler (Deutschland)Bund der Steuerzahler moniert wurden).

Im Jahr 1956 wird der Tölzer Knabenchor in der Stadt gegründet. 1969 folgt, zusätzlich zum Jodbad, die Anerkennung von Bad Tölz als Heilklimatischer Kurort und 2006 die Anerkennung als Moorheilbad. Mit dem Alpamare (Bad Tölz)Alpamare eröffnet 1972 in Tölz Europas erstes Erlebnisbad. Mit einer weitläufigen Rutschenlandschaft, dem Brandungswellenbad, der Indoor-Surfanlage und dem Jodbecken ist das Alpamare überregional bekannt. Die 1996 bis 2009 gesendete Fernsehserie Der Bulle von Tölz hat die Stadt vor allem auߟerhalb Bayerns sehr populär und beliebt gemacht. 2005 wird das neue Eisstadion, die moderne Hacker-Pschorr-Arena (mit zwei Eisflächen) eröffnet. Dieses löst das alte Peter-Freisl-Stadion, den sogenannten Wellblechpalast, ab und dient auch als Austragungsort von Veranstaltungen wie Konzerten und Messen.

Eingemeindungen

Am 1. Mai 1978 wurden im Rahmen der Gebietsreform in Gebietsreform Teile der aufgelösten Gemeinden Kirchbichl und Oberfischbach eingegliedert.

Politik

Stadtrat

Der Stadtrat der Stadt Bad Tölz besteht aus 24 Stadträten. Die Kommunalwahlen in Bayern 2008Kommunalwahlen am 2. März 2008 ergaben folgende Zusammensetzung des Stadtrats:

Christlich-Soziale Union 10
FWG  7
Bündnis 90/Die Grünen 4
SPD 3

Aus ihren Reihen wurde Andreas Wiedemann (FWG) zum 2. Bürgermeister und Ludwig Bauer (CSU) zum 3. Bürgermeister gewählt.

Städtepartnerschaften

Bad Tölz unterhält Städtepartnerschaften zum französischen Vichy in der Auvergne (seit 1963), zum italienischen San Giuliano Terme in der Toskana (seit 2001) und zur österreichischen Marktgemeinde Mayrhofen im Zillertal.

Religionsgemeinschaften

Im Gemeindegebiet von Bad Tölz gehören rund 10.700 Einwohner der Römisch-katholische römisch-katholischen Kirche an. Der Pfarrverband von Bad Tölz besteht aus den Pfarrgemeinden Maria Himmelfahrt Bad Tölz, Hl. Familie Bad Tölz und St. Martin Ellbach. Darüber hinaus ist die Pfarrei St. Nikolaus der Gemeinde Wackersberg dem Pfarrverband angeschlossen. Der Pfarrverband befindet sich in der Erzbistum München und Erzdiözese München und Freising (Region Süd).

Die Evangelisch-Lutherische evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Bad Tölz stellt die zweitgröߟte Glaubensgemeinschaft in Bad Tölz. Sie gehört neben elf weiteren Gemeinden dem evangelisch-lutherischen Dekanat Bad Tölz (ca. 35.000 Mitglieder) an.

Andere christliche Konfessionen sind durch die Altkatholische altkatholische Teilgemeinde Bad Tölz (Pfarrei München), die Freie Christengemeinde Bad Tölz und die Neuapostolische Kirche vertreten. Die islamische Gemeinde, die Zeugen Jehovas sowie mehrere buddhistische Gruppen stellen weitere Religionsgemeinschaften in Bad Tölz dar.

Wirtschaft

Verkehr

  • Bundesstraߟen: Bundesstraߟe 472B 472 (Deutsche Alpenstraߟe) und Bundesstraߟe 13B 13
  • Bahnlinie: Bahnstrecke Holzkirchen“€“Lenggries; EVU: Bayerische Oberlandbahn (BOB)
  • Buslinien der Regionalverkehr Oberbayern (RVO)

Eine 2,5 km lange Nordumfahrung für die überlasteten Bundesstraߟen 472 und 13 ist als vordringlicher Bedarf im Bundeswegeplan enthalten. Die Baukosten werden auf 8,5 Mio. Euro projektiert.

ߖffentliche Einrichtungen

Bildungseinrichtungen

Als Bildungszentrum des südlichen Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen verfügt die Stadt über eine groߟe Schuldichte. Hierzu gehören neben drei Grundschulen, eine Hauptschule, eine Realschule und das Gymnasium Bad Gabriel-von-Seidl-Gymnasium. Hinzu kommen eine Schule für Lernbehinderte sowie eine Schule für geistig Behinderte. Ebenfalls in Tölz ansässig sind das Berufsbildungszentrum für Maurer und Zimmerer, die Staatliche Berufsschule sowie eine Fachoberschule.

Zudem bietet die Fachhochschule für angewandtes Management auf ihrem Campus Bad Tölz verschiedene Studiengänge an.

߄mter

Seit der bayerischen Kreisreform des Jahres 1972 konzentrieren sich die ߄mter des Landkreises in den Städten Bad Tölz und Wolfratshausen. Die Hauptstelles des Landratsamtes und Forstamtes befinden sich in Bad Tölz. Vom Finanzamt und Vermessungsamt sind Auߟenstellen in der Stadt angesiedelt.

Freizeit und Sport

Die Stadt Bad Tölz ist für ihren hohen Freizeitwert bekannt. Neben dem Alpamare (Bad Tölz)Erlebnisbad Alpamare verfügt die Stadt über ein Hallen- und Naturfreibad. In der näheren Umgebung befinden sich mehrere Golfplätze sowie Klettermöglichkeiten. Das DAV-Kletterzentrum Oberbayern Süd befindet sich in Bad Tölz. Die Stadt liegt am Knotenpunkt mehrerer Radwanderwege. Hierzu gehören die Via Bavarica Tyrolensis, der Isarradweg sowie der Bodensee-Königssee-Radweg. Ein sportliches Aushängeschild der Stadt ist der Eishockeysport und die hier beheimateten Tölzer Löwen. In der für Heimspiele genutzten Hacker-Pschorr Arena finden 4.300 Personen Platz.

Das im Jahr 1908 gegründete Theater wird heute als Marionettentheater bespielt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

siehe auch Liste der Baudenkmäler in Bad Tölz

Sehenswert ist das Ensemble der Marktstraߟe mit den breitgelagerten Häusern der Tölzer Kaufleutefamilien und Patrizier im barocken Stil, welche allesamt mit Fassadenmalereien (Lüftlmalerei) geschmückt sind. Hervorzuheben sind dabei der Khanturm von 1353, die alte Posthalterei von 1600, das Sporerhaus, das Moralthaus und das Alte Rathaus mit dem Zwiebelturm aus dem 15. Jahrhundert, das ehemalige Mädchenschulhaus (1843 bis 1982) von 1588, der Marienstift, das Höckhenhaus und das Pflegerhaus Kaspar II. Kaspar Winzerers des II. von 1485. Im Keller des heutigen Metzgerbräus (Burgkeller) unterhalb der Stadtpfarrkirche sind bis heute Gewölbeüberreste der ersten Tölzer Burg erhalten. Das letzte Tölzer Schloss stand, bis es 1770 wegen eines Unwetters zu weiten Teilen einstürzte, an der Stelle des heutigen Schlossplatzes und des neuen Rathauses, das 1772 erbaut wurde und ab 1779 als Sitz des Landrichters diente.

An ihrem oberen, östlichen Ende befindet sich das 1887 errichtete Denkmal für Kaspar III. Kaspar Winzerer III, genannt der „Goldene Ritter“. Er war Pfleger (Mittelalter)Landpfleger in Tölz. Gleichzeitig dient dieses Denkmal als Andenken an die sechs gefallenen Tölzer des Deutsch-Französischer Deutsch-Französischen Krieges. Ebenfalls am Beginn der Marktstraߟe befindet sich im prunkvollen Heimat- und Bürgerhaus von 1602 das Stadtmuseum. Dieses Heimat- und Bürgerhaus dient auch als Kulisse für das Polizeipräsidium der Fernsehserie „€žDer Bulle von Tölz“€œ.

Weiter hinab in Richtung Isar liegt die spätmittelalterliche Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt (Bad Tölz)Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, das älteste bestehende Bauwerk des Isarwinkels (erbaut 1454), die 1875 bis 1877 den neugotischen Turm erhielt und deren Ausstattung teilweise aus dem 19. Jahrhundert stammt. Die Stadt im Norden überblickend liegt der Kalvarienberg mit der Heilig-Kreuz-Kirche, einer interessanten Doppelkirchen-Anlage des 18. Jahrhunderts (erbaut 1735), der Heiliggrabkapelle (Nachbildung der Scala Santa in Rom) und der Leonhardikapelle. Diese Kapelle wurde 1718 zu Ehren des Heiligen Leonhards und der Gefallenen des Sendlinger Bauernaufstandes von 1705 errichtet. Zudem ist sie das Ziel der alljährlich seit 1855 am 6. November stattfindenden Leonhardifahrt, mit mehr als 80 Wagen und jährlich rund 25.000 Besuchern, die gröߟte ihrer Art. Dort verläuft ebenfalls einen Kreuzweg, der wie die Kalvarienbergkirche vom reichen Salzbeamten Nockher gestiftet wurde. Auf diesem Kalvarienberg befand sich im Mittelalter und der frühen Neuzeit auch eine der beiden Hinrichtungsstätten in Tölz, woran heute noch der Name Galgenleite erinnert.

Vom Kalvarienberg bietet sich ein Panoramablick über den Isarwinkel, bis in das Karwendelgebirge. ߖstlich der Marktstraߟe befindet sich die Mühlfeldkirche (Wallfahrtskirche Maria Hilf, erbaut 1736) mit einem Fresko der Tölzer Pestprozession von Matthäus Günther im Altarraum und einem Zwiebelturm. Im Badeteil der Stadt, westlich der Isar, liegen der Kurpark, der Streidlpark und der Rosengarten. Ebenso befinden sich dort die Kloster Franziskanerkirche (erbaut 1624), die ebenfalls als Kloster Kloster dient, sowie die evangelische Johanneskirche (erbaut 1879/80), mit einem Deckengemälde von Hubert Distler von 1970 und einem Altarbild von Lovis Corinth von 1898.

Auf einer Anhöhe über der Stadt, Richtung Wackersberg, steht das Ehrenmal der Spielhahnjägerdivision. Dieses Denkmal wurde dort 1957 an Stelle eines Pavillons (genannt Belvedß©re) errichtet und dient zum Gedenken an mehr als 10.000 im Zweiten Weltkrieg gefallene Spielhahnjäger.

Als Bindeglied zwischen der Tölzer Altstadt und dem Badeteil dient die Isarbrücke. Diese wurde im Laufe der Jahrhunderte häufig erneuert und umgestaltet. Sehenswert sind im Badeteil zudem das Flöߟerdenkmal und die 1929-1930 von Heinz Moll (Architekt)Heinz Moll neu errichtete Wandelhalle, die gröߟte Europas (110 m lang). Auߟerdem wurde im Badeteil das Kurhaus, dessen Entwurf von Gabriel von Seidl stammt, erbaut. Allerdings konnte der 1913 verstorbene Baumeister die Fertigstellung nicht mehr miterleben, weshalb sein Bruder Emanuel von Seidl dessen Arbeit übernahm.

Ebenfalls interessant sind der letzte verbliebene historische Kalkofen nahe dem Isarufer beim Jägerwirt, sowie der 1906 eingeweihte Waldfriedhof (nachdem die alten Friedhöfe um den Tölzer Kirchen aus hygienischen und Platzgründen nach und nach aufgelöst wurden). Etwas im Schatten der berühmten Marktstraߟe, aber einen Besuch wert, ist das Gries, mit seinen engen, verwinkelten, mittelalterlichen Gassen und Plätzen und den zahlreichen Brunnen. Dieser Stadtteil, der älteste von Tölz, diente einst als Wohn- und Herbergsort der Handwerker (vor allem Flöߟer, Kalkbrenner, Siebmacher, Fischer, Köhler und Tischler). Weil sich viele der armen Handwerker damals kein eigenes Haus leisten konnten, besaߟen oder mieteten diese oft nur ein Stockwerk. Daher gibt es heute noch an vielen Häusern im Gries die auffallenden Holztreppen an der Auߟenwand der Häuser.

Da Tölz im Laufe seiner Geschichte mehrmals von verheerenden Groߟbränden heimgesucht wurde, wurde zu Ehren des Florian von Heiligen Florian der Floriansbrunnen am Fritzplatz erbaut. Um das Finanzamt zu verspotten, wurde dessen bunte Holzskulptur mit entblöߟtem Hintern dargestellt.

Einst war Tölz mit seinen zeitweise 22 Brauereien bekannt für sein Bier und Hauptlieferant für München. Der Vorteil der Region waren die kühlen Lagerkeller, isoliert und in Flussnähe. Tölz wurde auf Tuff erbaut, München hingegen auf Kies. Mit der Erfindung der ersten Kompressionskältemaschine durch Carl von Linde 1873 war dieser Vorteil verloren und andernorts neu entstandende Brauereien minderten den Absatz merklich, und so begann der Abstieg. Zeitweilig gab es in Tölz keine Brauerei mehr. Die letzte historische Brauerei, die Grünerbrauerei (gegründet im Jahr 1603) schloss 2005 ihre Pforten und wurde zu einem Wohnhaus umgebaut. Tölzer Bier gibt es bis heute, allerdings stammt dieses aus König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg. Unzählige Gebäude- und Gassennamen erinnern in Bad Tölz bis heute an die Geschichte der Brauereien. 2008 wurde unweit der ehemaligen Grünerbrauerei, von einem ehemaligen Brauer des Franziskanerinnenkloster Klosters Reutberg eine neue Brauerei unter dem Namen Mühlfeldbräu gegründet.

Weitere Einrichtungen

In der Stadt finden sich mehrere Bibliotheken. Hierzu gehören die Stadtbibliothek und das Stadtarchiv, die Kurbibliothek im Badeteil sowie die Pfarrbücherei. Im Kulturhaus Alte Madlschule und im Kunstturm und Kunstpark am Flint-Center finden Ausstellungen sowie Lesungen statt. Seit 2009 befindet sich in Bad Tölz das Simulationszentrum für die Berg- und Luftrettung der Bergwacht Bayern. Die weltweit erste derartige Simulationsanlage bietet den Vorteil, dass weitgehend auf Schulungen an echten Hubschraubern verzichtet werden kann.

Regelmäߟige Veranstaltungen

In Bad Tölz finden regelmäߟig Veranstaltungen statt, die einen überregionalen Charakter besitzen. Hierzu gehören die bekannte Leonhardifahrt, der Christkindlmarkt sowie die Tölzer Rosentage und das jährliche Käsefestival.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

  • Konrad Abeltshauser (* 1992), Eishockeyspieler
  • Eusebius Amort (1692“€“1775), katholischer Theologe
  • Hans Carossa (1878“€“1956), Lyriker und Autor
  • Nikolaus Röslmeir (1901“€“1977), Bildhauer
  • Anton Fischhaber (* 1940), Autorennfahrer
  • Uschi Disl (* 1970), Biathletin
  • Martina Ertl-Renz (* 1973), Skirennläuferin
  • Franz-David Fritzmeier (* 1980), Eishockeyspieler
  • Lorenz Funk Lorenz Funk (* 1947), ehemaliger Eishockeyspieler und -trainer
  • Annemarie Gerg (* 1975), Skirennläuferin
  • Michaela Gerg (* 1965), Skirennläuferin
  • Claudia Gudelius (* 1951), ߄rztin und Schriftstellerin
  • Emmanuel Maria Josef Emmanuel Heufelder (1898“€“1982) katholischer Theologe
  • Josef Hillerbrand (1892“€“1981), Architekt und Gestalter
  • Johann Jäger (1667“€“1706), Anführer des bayerischen Volksaufstandes 1705
  • Marina Kaffka, Ski Freestyle Rennläuferin
  • Axel Kammerer (* 1964), Eishockeyspieler
  • Klaus Kathan (* 1977), Eishockeyspieler
  • Peter Kathan junior (* 1982), Eishockeyspieler
  • Peter Kathan senior (* 1949), ehemaliger Eishockeyspieler, seit 2002 Bundestrainer der Deutschen Eishockeynationalmannschaft der Frauen
  • Rita Kapfhammer (* 1964), Opern-/Operettensängerin
  • Michael Komma (* 1964), Eishockeyspieler und -funktionär
  • Konrad I. von Tölz und Hohenburg (1232 bis 1258 Bischof von Freising)
  • Friedrich Carl Mayer (1824“€“1903), Maler, spezialisiert auf Innenräume
  • Stefan Murr (Schauspieler)Stefan Murr (* 1976), Schauspieler
  • Isabel de Navarre (* 1956), Eiskunstläuferin
  • Christian Probst (1935“€“1994), Medizinhistoriker und -soziologe
  • Max Prommersberger (* 1987), Eishockeyspieler
  • Hans Rampf (Eishockeyspieler)Hans Rampf (1931“€“2001), Eishockeyspieler und Trainer der Deutschen Nationalmannschaft
  • Maria Reiter (Akkordeonistin), (* 1968)
  • Peter Scharf (Eishockeyspieler)Peter Scharf (* 1953), Ehemaliger Eishockeyspieler und aktueller Trainer der Junioren-Mannschaft des EC Bad Tölz
  • Claudia Schlenger (* 1947), Kabarettistin Schnipsi von Herbert und Schnipsi
  • Gerhard Schmidt-Gaden (* 1937), Gründer des Tölzer Knabenchores
  • Otto Schneitberger (* 1939), Eishockeyspieler
  • Gabriel von Seidl (*1848; „€  1913), Architekt, Gründer des Isartalvereins, nach ihm ist das Gymnasium benannt.
  • Johann Nepomuk Sepp (1816“€“1909), Historiker, Bewahrer des Klosters Wessobrunn, Organisator des Winzerer-Denkmals und des Denkmals für den Schmied von Kochel in Kochel am See
  • Kaspar I. Winzerer, wurde als Pfleger nach Tölz geschickt
  • Kaspar II. Winzerer („€  1515), Sohn von Kaspar I. Winzerer, herzoglich bayerischer Rat, Pfleger (Mittelalter)Pfleger und Lehnsherr zu Tölz sowie der Hofmark Sachsenkam (Oberbayern).
  • Kaspar III. Winzerer (1465“€“1542), Sohn von Kaspar II. Winzerer, herzoglich bayerischer Rat und Pfleger und Lehnsherr zu Tölz sowie von Dürnstein (Niederösterreich). Dem dritten Winzerer ist das Denkmal gewidmet.
  • Van Marcus Van Langen, deutscher Mittelalter-Musiker
  • Korbinian Witting (* 1980), Eishockeyspieler
  • Markus Witting (* 1979), Eishockeyspieler
  • Hans Zach (* 1949), Eishockeyspieler und -trainer
  • Heidi Zacher (* 1988), Freestyle-Skierin

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

  • Friedrich Nockher (* 1669; „€  1754), Salzbeamter und Stifter der Kalvarienbergkirche
  • Franz Hanfstaengl (* 1804; „€  1877), Maler, Lithograf und Fotograf
  • August Moralt (* 1811; „€  1886), Tischlermeister
  • Anton Krettner (* 1849 in München; „€  27. November 1899 in Bad Tölz), Komponist und Bürgermeister
  • Thomas Mann (* 1875; „€  1955), Schriftsteller, besaߟ hier von 1906 bis 1917 eine Sommervilla, die heutige Villa Mann; ein Jahr vor Ende des Ersten Weltkrieges veräuߟerte er sie gegen eine Kriegsanleihe)
  • Erika Mann und Klaus Mann, Schriftsteller und Schauspieler, verlebten in der elterlichen Villa Jugendjahre
  • Rupert Egenberger (* 1877; „€  1959), Begründer des Sonderschulwesens in Bayern; verstorben in Bad Tölz
  • Hans von Hentig (* 1887; „€  1974), Kriminologe
  • Grethe Weiser (* 1903; „€  1970), Schauspielerin, starb nach einem Verkehrsunfall im Stadtkrankenhaus Bad Tölz
  • Jakob Ostler (* 1907; „€  1970), Kurat des alten Städtischen Krankenhauses
  • Norbert Schultze (* 1911; „€  2002), Komponist und Dirigent
  • Marie-Luise Marie-Luise Schultze-Jahn (* 1918; „€  2010), Mitglied der Weiߟe Weiߟen Rose
  • Gregor Dorfmeister (* 1929) Journalist und Schriftsteller, wuchs in Tölz auf; über seine Zeit in Hitlerjugend und Volkssturm berichtete er im teilweise autobiografischen Buch Die Brücke
  • Karl Herder und Max Höfler, Begründer des Kurbades
  • Kristian Schultze (1945“€“2011), Komponist, Arrangeur, Keyboarder und Musikproduzent, lebt seit 2002 in Bad Tölz
  • Ottfried Fischer (* 1953), Kabarettist und Schauspieler, als Hauptfigur in Der Bulle von Tölz steigerte er mit vielen weiteren Schauspielern die Bekanntheit von Tölz bundesweit und international
  • Dr. Rupert Berger, Stadtpfarrer (1968“€“1997), Liturgiewissenschaftler
  • John Friedmann (Schauspieler)John Friedmann (* 1971), Schauspieler, wuchs in Bad Tölz auf
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