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Schwangau

Schwangau ist eine Gemeinde (Deutschland)Gemeinde im Schwaben (Bayern)schwäbischen Landkreis Ostallgäu. Sie liegt im Allgäu im Süden Bayerns an der Romantische Romantischen Straße, die im vier Kilometer entfernten Füssen endet.

Geografie

Ausdehnung des Gemeindegebietes

Das Gemeindegebiet besteht aus den Gemarkungen Schwangau und Waltenhofen. Zur Gemeinde (Deutschland)Gemeinde Schwangau gehören unter anderem die Orte Schwangau, Alterschrofen, Brunnen, Erlisholz, Hohenschwangau, Horn, Mühlberg und Waltenhofen (dort befindet sich seit jeher die Pfarrkirche). Auf dem Gemeindegebiet befinden sich der Alpsee, der Schwansee und der Bannwaldsee. Außerdem gehört der größte (östliche) Teil des Forggensees zur Gemeinde.

Geschichte

Werkzeugfunde auf dem Frauenberg bei Horn (Schwangau)Horn und am Nordufer des Bannwaldsees lassen darauf schließen, dass die erste Besiedlung Schwangaus bis in die mittlere Steinzeit zurückreicht.

Im Jahre 15 v. Chr. eroberten Römisches römische Truppen unter Drusus und Tiberius das Alpenvorland bis zur Donau. Unter Kaiser Claudius wurde der wahrscheinlich schon vorher als Pfad bestehende Alpenweg in eine ca. fünf Meter breite Straße, die Via Claudia Augusta, ausgebaut. Sie verband das römische Mutterland mit der Provinz Raetien. In Füssen war zu dieser Zeit eine Nachschubeinheit stationiert. Ausgediente Soldaten erhielten als Abschiedsgaben vom Militär kleine Ländereien und gingen mit der ansässigen Bevölkerung Lebensgemeinschaften ein.

So entstanden die Römersiedlung Römersiedlung am Tegelberg mit einem heute konservierten Badehaus aus dem 2. Jahrhundert und die kleinen »villae rusticae« (Gutshöfe) bei Forggen. In den Jahren 284 bis 305 überrannten Germanenstämme mehrmals das Land und verließen es mit dem Zusammenbruch des römischen Imperiums – vermutlich friedlich – um 450.

Die Alemannen besiedelten das Schwangauer Gebiet etwa um das Jahr 600 und bewirtschafteten es. Man vermutet, dass sie lechaufwärts zogen und dann in Schwangau zu roden begannen. Aus dieser Zeit sind bis heute noch ca. 130 Gräber am Nordrand von Schwangau erhalten.

Mit Beginn der Christianisierung im 8. Jahrhundert fehlen dann in den Gräbern Grabbeigaben, so dass über den Verbleib der Alemannen nur gemutmaßt werden kann. In diese Zeit fällt die Gründung der Kirche in Waltenhofen im Jahre 746. Sie war die erste christliche Kirche rechts des Lechs und wurde von den Heiligen Magnus und Tosso erbaut.

Die erste urkundliche Erwähnung von Schwangau als »Castrum Swangowe« erfolgte im Jahre 1090. Damit war die Doppelburg Vorder- und Hinterschwangau gemeint, auf dem Felsen des heutiges Schlosses Schloss Neuschwanstein. Sie war Eigentum Welfs des Älteren. Die welfischen Ministeralen (d. s. Verwalter im niedrigen Adelsstand), die Schwangauer, lebten auf diesem Schwanstein. Mit dem Tode Welfs VI. 1191 fällt das welfische Eigentum an Schwangau an die Staufer, 1268 an das Reich.

Zu dieser Zeit lebte der wohl berühmteste Schwangauer, der Minnesänger Hiltbolt von Schwangau (* ca. 1190–1256). Von ihm sind 22 Minnelieder erhalten, deren Entstehungszeit zwischen 1215 und 1225 angesetzt wird, die in der Heidelberger und teilweise in der Weingartner Liederhandschrift Einzug gefunden haben.

Ab dem 15. Jahrhundert, mit der Teilung der Herrschaft durch Ulrich von Schwangau auf seine vier Söhne im Jahre 1428, kamen die Schwangauer, die mittlerweile in den Ritterstand aufgestiegen waren, aus ihrer finanziellen Not nicht mehr heraus. Misswirtschaft und Erbstreitigkeiten führten dazu, dass Georg von Schwangau sein Erbe, Hohenschwangau und den Burgstall Frauenstein, sowie die Gerichtsbarkeit dazu an Herzog Albrecht III. (Bayern)Albrecht III. von Bayern-München im Jahre 1440 verkaufte. Die Schwangauer waren nun meist die Pfleger der Herzöge von Bayern auf Schwangau.

1521 wurden die beiden Brüder Heinrich und Georg von Schwangau auf dem Reichstag zu Worms (1521)Reichstag zu Worms mit den Alloden und Lehen der Schwangauer durch Kaiser Karl V. (HRR)Karl V. belehnt. Aber schon 1535 mussten sie den gesamten Besitz für 35.000 fl. an den Kaiserlichen Rat und Patrizier Johann Paumgartner von Holnstein und Paumgartner aus Augsburg verkaufen. 1536 starben die beiden Brüder, und damit starb auch das Geschlecht der Herren von Schwangau aus.

Johann Paumgartner ließ die verwahrloste Burg Schwanstein (heute Hohenschwangau) wieder neu aufbauen, während Vorder- und Hinterschwangau sowie Frauenstein weiterhin verwahrlosten. 1549 starb Johann Paumgartner und die Herrschaft fiel an seine beiden Söhne David und Georg. 1561 verpfändete David Paumgartner Hohenschwangau an Markgraf Georg Friedrich I. (Brandenburg-Ansbach-Kulmbach)Georg-Friedrich von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach.

Der Markgraf verkaufte die Herrschaft 1567 an Herzog Albrecht V. (Bayern)Albrecht V. von Bayern. Dieser brachte auch die Ansprüche der Gläubiger Paumgartners an sich und wurde reichsrechtlich mit Hohenschwangau belehnt. 1604 erhielt dann Herzog Maximilian I. (Bayern)Max I. von Bayern die Anwartschaft auf die mit Hohenschwangau verbundenen Reichslehen, Kurfürst Ferdinand Maria (Bayern)Ferdinand Maria von Bayern 1670 diese selbst.

Zu den Wirren des Dreißigjähriger Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) kam für die Schwangauer ein weiteres Drangsal hinzu: die Pest. Sie wütete in den Jahren 1635/1636 und dezimierte die Bevölkerung stark. Während der Nacht wurden die Toten auf Karren hinaus zum Pestfriedhof nach St. Coloman (Schwangau)St. Coloman gefahren. Nach diesem großen Aderlass wurde die Gemeinde mit Einwanderern aus Tirol und aus dem Engadin neu besiedelt. Von letzteren stammt wahrscheinlich die typisch Schwangauer Bauweise, »die Schupfe«.

In den darauffolgenden Jahrzehnten wechselte die Burg in Hohenschwangau mehrmals die Besitzer. Während der Koalitionskriege von 1800 bis 1809 wurde sie so schwer beschädigt, dass sie 1820 nur noch als Ruine verkauft werden konnte. 1832 erwarb Kronprinz Maximilian II. Joseph (Bayern)Maximilian, der spätere König Max II., die Ruine und ließ sie nach den Plänen und Skizzen des Domenico Dominicus Quaglio im neugotischen Stil wieder erbauen (1832–1836).

Der älteste Sohn Maximilians, Ludwig II. (Bayern)Ludwig II. von Bayern, ließ an der Stelle der Burgen Vorder- und Hinterschwangau das Schloss Neuschwanstein errichten. Die Grundsteinlegung erfolgte am 5. September 1869. Die Bauarbeiten wurden 1886 mit dem Tod des Königs eingestellt, so dass das Schloss nie ganz vollendet wurde.

Kurz vor der Jahrhundertwende hielt der Fremdenverkehr in Schwangau Einzug und die ersten Pension (Tourismus)Pensionen und Hotels entstanden. Infolge dieser Entwicklung stellte sich auch die Bevölkerung immer mehr auf den Fremdenverkehr ein. 1938 konnte unter dem damaligen Bürgermeister Pfeiffer in Schwangau schon ein Kurpark errichtet werden.

Viele Bemühungen der Gemeinde im Laufe der Jahre führten 1926 zur Anerkennung als Luftkurort und 1986 zur Verleihung des Prädikates Heilklimatischer Kurort.

Der Aufstau des Forggensees 1953/1954 bedeutete für die Gemeinde eine große Strukturveränderung. Dadurch verlor die Gemeinde 1071 ha Grund, ein Viertel ihrer damaligen Fläche. Die Ortschaften Deutenhausen, Forggen und Teile von Brunnen fielen der Aufstauung zum Opfer. Mit Unterstützung der Bayerische Wasserkraft BAWAG (Bayerische Wasserkraft AG) konnten die gemeindliche Wasserversorgung, ein Teil der Ortskanalisation, die Grundschule und das Rathaus finanziert werden.

Einwohnerentwicklung

Die Bevölkerungszahl stieg im Laufe der Jahre von ca. 700 (1840) über 1524 (1939) auf 3255 (1991) und 3415 Ende 2007. Am 31. Dezember 2011 zählte die Gemeinde 3396 Einwohner.

Wirtschaft und Infrastruktur

Die Haupterwerbszweige sind der Fremdenverkehr, Handwerk, Gewerbe und Landwirtschaft.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

  • Schloss Neuschwanstein
  • Schloss Hohenschwangau
  • Schloss Bullachberg
  • Marienbrücke (Neuschwanstein)Marienbrücke
  • St. Coloman (Schwangau)Kirche St. Coloman
  • St. Maria und Florian (Schwangau)Pfarrkirche St. Maria und Florian (Waltenhofen)

Persönlichkeiten

Der aus Brunnen gebürtige Salvatorianer-Pater Pankratius Pfeiffer (1872–1945) verhalf während der deutschen Besatzung Roms im Zweiter Zweiten Weltkrieg römischen Juden und Widerstandskämpfern zur Flucht.

  • Ludwig II. (Bayern)
  • Heinz Guderian
  • Hiltbolt von Schwangau, Minnesänger
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